
Es passiert in Sekunden: Ein Griff in der U-Bahn, ein unbeobachteter Moment im Straßencafé – und das Smartphone ist weg. Was viele nicht wissen: Die meisten Menschen verlieren nach einem Diebstahl weit mehr als nur das Gerät. Weil sie in den ersten Stunden die falschen Dinge tun – oder die richtigen zu spät.
Dieser Artikel hat zwei Teile: Was Sie tun sollten, wenn es gerade passiert ist – und was Sie jetzt vorbereiten können, damit es im Ernstfall nicht so schlimm wird.
Teil 1: Die erste Stunde nach dem Diebstahl
Die Reihenfolge ist entscheidend. Wer den ersten Schritt falsch wählt, verliert möglicherweise die Kontrolle über sein Gerät, seine Konten und sein Geld. Hier ist der Plan – Schritt für Schritt.
Schritt 1: Smartphone aus der Ferne sperren
Das ist der wichtigste Schritt – und er muss der erste sein. Solange das gestohlene Gerät noch online ist (über Mobilfunk oder ein WLAN), können Fernbefehle ankommen. Wenn Sie stattdessen zuerst die SIM-Karte sperren lassen, kappen Sie genau diese Verbindung – und verlieren die Möglichkeit, das Gerät aus der Ferne zu kontrollieren.
iPhone: Öffnen Sie icloud.com/find in einem beliebigen Browser – auch auf dem Laptop eines Freundes oder einem öffentlichen Computer. Melden Sie sich mit Ihrer Apple-ID an und wählen Sie „Als verloren markieren“. Das Gerät wird sofort gesperrt, Apple Pay wird deaktiviert, und auf dem Bildschirm erscheint eine Nachricht mit Ihrer Kontaktnummer.
Android: Öffnen Sie android.com/find und melden Sie sich mit Ihrem Google-Konto an. Wählen Sie „Gerät sichern“. Das Smartphone wird mit einer PIN gesperrt, Google Pay wird deaktiviert, und Sie können eine Nachricht auf dem Sperrbildschirm anzeigen lassen.
Beide Funktionen zeigen Ihnen außerdem den letzten bekannten Standort des Geräts. Aber Vorsicht: Fahren Sie nicht selbst dorthin, um den Dieb zu konfrontieren. Das ist Sache der Polizei.
Schritt 2: SIM-Karte sperren lassen
Erst jetzt – nachdem das Gerät aus der Ferne gesperrt ist – rufen Sie Ihren Mobilfunkanbieter an. Das geht am schnellsten über den Sperr-Notruf 116 116 (kostenlos aus dem deutschen Festnetz, aus dem Ausland: +49 116 116). Halten Sie Ihre Rufnummer und – falls vorhanden – die SIM-Kartennummer bereit.
Die SIM-Sperre verhindert, dass der Dieb auf Ihre Kosten telefoniert, SMS empfängt oder mobile Bezahldienste nutzt.
Praktischer Tipp: Die 116 116 funktioniert auch für Bank- und Kreditkarten. Wenn also neben dem Smartphone auch das Portemonnaie gestohlen wurde, können Sie mit einem einzigen Anruf alles sperren lassen.
Schritt 3: Wichtige Passwörter ändern
Auf Ihrem Smartphone sind vermutlich dutzende Konten angemeldet – E-Mail, Online-Banking, Amazon, PayPal, soziale Netzwerke. Der Dieb braucht im schlimmsten Fall nur eines davon, um erheblichen Schaden anzurichten.
Ändern Sie als Erstes Ihr E-Mail-Passwort. Wer Zugriff auf Ihr E-Mail-Konto hat, kann über die „Passwort vergessen“-Funktion praktisch jedes andere Konto übernehmen. Danach folgen Online-Banking, Shopping-Konten und soziale Netzwerke.
Wenn Sie einen Passwort-Manager verwenden, können Sie etwas aufatmen: Die gespeicherten Passwörter sind zusätzlich geschützt. Aber ändern Sie trotzdem das Master-Passwort des Managers, falls es auf dem Gerät gespeichert war.
Schritt 4: Anzeige bei der Polizei erstatten
Die Polizei wird Ihr Smartphone in der Regel nicht aktiv suchen – das muss man ehrlich sagen. Trotzdem ist die Anzeige wichtig, und zwar aus drei Gründen:
- Sie brauchen sie für Versicherungsansprüche (Hausratversicherung oder Handyversicherung).
- Sie dient als Nachweis gegenüber dem Mobilfunkanbieter, falls der Dieb auf Ihre Kosten telefoniert hat.
- Falls das Gerät irgendwann auftaucht, ist die Anzeige der Nachweis, dass es Ihres ist.
Bringen Sie zur Anzeige Ihre IMEI-Nummer mit – wie Sie diese finden, steht weiter unten im zweiten Teil dieses Artikels. In den meisten Bundesländern können Sie die Anzeige auch online erstatten.
Schritt 5: Fernlöschung – nur als letzter Ausweg
Sowohl iCloud (iPhone) als auch Google Find My (Android) bieten die Option „Gerät löschen“ an. Damit werden alle persönlichen Daten auf dem Smartphone gelöscht – E-Mails, Fotos, Kontakte, alles.
Aber Vorsicht: Nach einer Fernlöschung ist das Gerät nicht mehr ortbar. Nutzen Sie diese Funktion nur, wenn Sie sicher sind, dass das Smartphone nicht zurückkommt.
Es gibt immerhin einen Trost: Bei iPhones bleibt das Gerät auch nach der Löschung an Ihre Apple-ID gebunden (Activation Lock). Der Dieb kann es ohne Ihr Passwort nicht neu einrichten – das Gerät ist für ihn praktisch wertlos. Bei Android gibt es eine vergleichbare Funktion namens Factory Reset Protection (FRP), die eine Neueinrichtung ohne das Google-Konto-Passwort verhindert.
Teil 2: Vorher – was Sie jetzt tun sollten
Alles, was Sie im ersten Teil gelesen haben, funktioniert nur, wenn Sie vorher ein paar Dinge eingerichtet haben. Fünf Minuten Vorbereitung heute können Ihnen im Ernstfall Stunden voller Stress ersparen.
IMEI-Nummer notieren
Die IMEI ist die eindeutige Seriennummer Ihres Geräts – eine 15-stellige Zahl, die Ihr Smartphone weltweit identifiziert. Die Polizei braucht sie für die Anzeige.
So finden Sie sie: Öffnen Sie die Telefon-App und tippen Sie *#06# ein. Die IMEI wird sofort angezeigt – das funktioniert bei jedem Smartphone, egal ob iPhone oder Android. Alternativ finden Sie die Nummer in den Einstellungen unter „Über das Telefon“ bzw. „Info“ oder auf der Originalverpackung.
Wichtig: Schreiben Sie die IMEI jetzt auf und bewahren Sie sie getrennt vom Gerät auf. Am einfachsten fotografieren Sie die Anzeige und speichern das Foto in einer Cloud-Notiz oder schicken es sich selbst per E-Mail.
Bildschirmsperre einrichten – mit Biometrie
Es klingt banal, aber eine erschreckende Anzahl von Menschen nutzt ihr Smartphone ohne Bildschirmsperre. Wer sein Gerät ohne PIN oder Passwort verliert, hat praktisch keine Chance mehr: Alle Daten liegen offen, alle Apps sind zugänglich, alle Konten kompromittiert.
Eine PIN oder ein Passwort ist Pflicht. Noch besser ist die Kombination mit Biometrie – Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Das ist der beste Kompromiss aus Sicherheit und Bequemlichkeit: Sie müssen nicht bei jedem Entsperren eine PIN eintippen, und ein Dieb kann Ihr Gesicht oder Ihren Fingerabdruck nicht fälschen.
Ortungsdienst aktivieren
Die Fernsperre und Ortung aus Schritt 1 funktionieren nur, wenn der Ortungsdienst vor dem Diebstahl aktiviert wurde. Prüfen Sie das jetzt:
iPhone: Einstellungen → [Ihr Name] → Wo ist? → „Mein iPhone suchen“ einschalten. Aktivieren Sie auch „Letzten Standort senden“ – damit sendet das iPhone seinen Standort noch einmal, bevor der Akku leer ist.
Android: Einstellungen → Sicherheit → Mein Gerät finden (oder „Find Hub“ bei neueren Geräten). Stellen Sie sicher, dass die Ortung aktiviert ist.
Diebstahlschutz-Funktionen aktivieren
Sowohl Apple als auch Google haben in den letzten zwei Jahren neue Schutzfunktionen eingeführt, die speziell gegen Smartphone-Diebstahl helfen. Das Problem: Sie sind oft nicht standardmäßig aktiviert.
iPhone (ab iOS 17.3): Der „Schutz für gestohlene Geräte“ (Stolen Device Protection) sorgt dafür, dass an unbekannten Orten – also überall außer zu Hause oder am Arbeitsplatz – für kritische Aktionen wie Passwortänderungen zwingend Face ID oder Touch ID erforderlich ist. Selbst wenn ein Dieb Ihre PIN kennt, kann er damit allein keine wichtigen Einstellungen ändern.
Android (ab 2024, für Android 10+): Die „Diebstahlerkennung“ (Theft Detection Lock) nutzt KI und Bewegungssensoren, um zu erkennen, wenn das Gerät jemandem aus der Hand gerissen wird – und sperrt in diesem Fall automatisch den Bildschirm. Dazu kommt der „Identity Check“, der an unbekannten Orten eine biometrische Überprüfung für kritische Einstellungen verlangt.
Jetzt prüfen und einschalten. Diese Funktionen kosten nichts und helfen im Ernstfall erheblich.
Cloud-Backup einrichten
Wenn das Gerät weg ist, sind Ihre Daten nur dann sicher, wenn ein aktuelles Backup existiert. Ohne Backup verlieren Sie möglicherweise Jahre an Fotos, Kontakte, Nachrichten und App-Daten.
iPhone: Einstellungen → [Ihr Name] → iCloud → iCloud-Backup → einschalten.
Android: Einstellungen → System → Sicherung → bei Google sichern.
Für Fotos empfiehlt sich zusätzlich die automatische Sicherung über Google Fotos oder iCloud Fotos. So sind Ihre Bilder auch dann noch da, wenn alles andere weg ist.
Bezahldienste kennen
Wer Apple Pay, Google Pay oder andere mobile Bezahldienste nutzt, kann beruhigt sein: Diese werden über die Fernsperre des Geräts (Schritt 1) automatisch deaktiviert. Trotzdem ist es sinnvoll, zusätzlich die Bank zu informieren, wenn Kartendaten auf dem Gerät hinterlegt waren.
Fünf Minuten, die sich lohnen
Smartphone-Diebstahl gehört – besonders im Sommer, auf Reisen und bei Festivals – zu den häufigsten Delikten überhaupt. Wer vorbereitet ist, verliert ein Gerät. Wer nicht vorbereitet ist, verliert möglicherweise deutlich mehr: den Zugang zu E-Mail-Konten, zu Online-Banking, zu persönlichen Fotos und Erinnerungen.
Die Vorbereitung dauert keine fünf Minuten: IMEI notieren, Bildschirmsperre prüfen, Ortung aktivieren, Diebstahlschutz einschalten, Backup kontrollieren. Das ist alles. Und im Ernstfall wissen Sie, was zu tun ist – und in welcher Reihenfolge.
Ist Ihnen schon einmal ein Smartphone gestohlen worden? Was haben Sie als Erstes getan – und was hätten Sie im Nachhinein anders gemacht? Schreiben Sie es gerne in die Kommentare.
Kommentare
Das hauptsächliche Problem ist allerdings ein Anderes. Die meisten benutzen mittlerweile ein Smartphone als Lebensmittelpunkt und vertrauen alles Persönliche diesem Gerät an, ohne sich meistens der genauen Risiken eines Verlustes bewusst zu sein.
Die IMEI sollte man - wie im Artikel beschrieben - vorher ermitteln. Auch hier kann man i. d. R. einen Passwortmanager verwenden und Notizen speichern. Beispielsweise ist bei dem professionellen Passwortmanger „1Password“ die entsprechende Option unter „Sichere Notizen“ zu finden.
Im PDF Ausdruck werden immer Zeilen verschluckt.
Könnte das bitte nachgebessert werden?
Sende mir Deine Tel.-Nr. für WhatsApp oder E-Mail-Adresse an . . .
info@UweHarenberg.de
Dann sende ich Dir diesen Beitrag im Format PDF und Word.
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Bei mir klappt das einwandfrei
Und NEIn ich bin kein Softmaker Mitarbeiter und bekomme auch kein Geld für diese Zeilen
Leite ich auch gern gezielt an
Verwandschaft etc. weiter.
Weiter so !
Bei meinem Android Handy wird "Als verloren markieren" angezeigt und nicht "Gerät sichern".
1. Die Funktion ist auf dem Gerät aktiviert. Bei Apple z.B. „Apple Account“ > „Wo ist“ > „Mein iPhone Suchen“ + ggf. auch den „Schutz für gestohlene Geräte“ (https://support.apple.com/de-de/120340)
2. Der Login auf icloud.com/find bzw. android.com/find ist auch ohne das verlorene Gerät möglich. Das muss vorher getestet werden!!! Ggf. weiß man dann, was noch vorbereitet werden muss.
Für Leute, die ihren Standort nicht ständig an Google übermitteln wollen, gibt es auch eine Alternative: https://www.kuketz-blog.de/smartphone-orten-ohne-google-find-my-device-fmd-macht-es-moeglich/
Ergänzender Hinweis zum iPhone. Falls man das Handy gleich unfreiwilig aus der Hand geben muss: 5x rechte Seitentaste drücken und schon braucht es - wie nach dem Neustart - bei aktivierter Faceid zusätzlich auch noch die PIN zum entsperren. Es genügt dann nicht mehr, das Handy zu entsperren indem man es einfach vor das Gesicht gehalten bekommt.
Androidversion 10QP1A
Sicherheitsstand 2022-02-01
Aber ein neues ist mir wichitg genug => gut aufpassen! (s.o.)
Danke dafür.
ist sicher.
Nützt mir leider nichts.
Ich wehre mich wehement gegen die stets eingeschaltete Ortung.
Ob es in der Schweiz auch solch eine Nummer gibt?
IMEI ist auf der Verpackung aufgedruckt.
Die E-Sim ist ein QR-Code...
Somit ist alles zu Hand für solch ein Sperrfall mit dem Telefondienstleister.
Mein Problem wäre eher herauszufinden, wo überall welcher user gesperrt werden muss. Aber ich muss schon sagen, mein Handy orten, ich wüsst nicht mal wie.
Ist wohl gescheit, dass ich mir mal notiere, welche Apps/Konten ich dann sperren lassen muss.
Bankwesen habe ich per heute von meinen Handy verbannt, dafür ist nun das alte Handy zuständig. Macht man ja nur zu Hause und dann geht das so prima.
So als Workaround fällt mir nur ein, dass ich für Ausflüge die Ortung aktiviere und mir via REGA App einen Standort Link maile.
Danke für den Artikel, der rüttelt einem wach.
- Mit der Maus markieren, kopieren, in Textprogramm einfügen, fertig.
Meine Frage:
Mein Smartphone hat ein kleines Löchlein, da kann man zB eine Büroklammer hineinstecken und so das Handy auf den Auslieferungszustand zurücksetzen.
So könnte der Dieb das Gerät das Gerät ganz einfach für sich nutzbar machen. Oder??
Man hängt sein Leben an das Smartphone nicht.
Vielleicht sollten die ganzen User mal selbst über solche Fälle nachdenken und dann dementsprechend handeln. Muss für solche Fälle immer alles online vorgekaut werden? Anscheinend ja. Man liest doch jeden Tag, wie einfach man Menschen hereinlegen kann.
Den sogenannten Hausverstand gibt es anscheinend immer seltener. Leider.